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Stick-Projekt: Worte sichtbar machen /

Es gibt unzählige Möglichkeiten wie Bilder entstehen. Gefühle, Klänge, Gerüche, Farben; in unseren Köpfen kann alles zu Bildern werden. Je nach Erfahrungen und Traditionen kommen noch weitere Lagen an Bedeutungen und Assoziationen dazu. Wenn Menschen einer Erzählung lauschen sieht das Imaginierte bei den Hörerinnen ganz unterschiedlich aus.
Dieser Verbindung von auditiv Wahrgenommenem und visueller Verarbeitung haben wir uns in diesem Projekt besonders gewidmet.

Die zeitlosen, bunten Erzählungen aus der Antiken Sagenwelt von der Göttin Athene und der Weberin Arachne, von Daphne und Apoll, Philemon und Baucis, Demeter und Hades,…  wurden von der Geschichtenerzählerin Luise Gründel in einfacher ausdrucksstarker Sprache an zwei Vormittagen präsentiert und bildeten den Ausgangspunkt für die individuellen „Übersetzungen“ in Bilder, die dann wiederum mit Faden und Nadel in unterschiedlichen Stich-Techniken zu textilen Bildern wurden.

Kulturelle Verwebung – Weben nach biografischen Motiven

Erinnerungen zu teilen, sich in einem geschützten Raum darüber auszutauschen und diese Erfahrung in einen kreativen Prozess zu transformieren, das sind wesentliche Komponenten des QUARTIER Projekts „NEUE WOLLE“ für Frauen in Blumenthal. In den Schaufenstern des NUNATAK wird nun öffentlich sichtbar, wie künstlerisches Arbeiten in einer multikulturellen Gemeinschaft funktioniert.

Zu sehen sind kreative Webarbeiten, die während der letzten Monate im Alten Rathaus Blumenthal entstanden sind – feinfühlige, persönliche Bilder in  vielfältigen ästhetischen und technischen Variationen. Ausgangspunkt der Arbeiten sind persönliche, geliebte Gegenstände, inspirierende Bilder oder nostalgische Materialien, die etwas mit der individuellen Biografie der einzelnen Frau zu tun haben. Im Austausch mit den Werkstattleiterinnen und miteinander wurden diese zuerst in zeichnerische Entwürfe übersetzt. Abstrahierte Formen, Farbkombinationen und reduzierte Ausgangsinspirationen wurden anschließend von Hand gewebt. Weil diesem Entstehungsprozess eine zentrale Rolle zukommt, sind neben den fertigen Webbildern auch Vorprodukte wie Fotos, Zeichnungen und technische Webübungen zu sehen.
Vom 22.2. bis 11.4.21 24/7 Ausstellung in den Schaufenstern des NUNATAK

Fahnen fürs Alte Rathaus

Weil am Rathaus Eingang zwei kahle Fahnenmasten stehen war das erste Projekt klar: Fahnen. Filzen ist da natürlich nicht die erste Assoziation im Zusammenhang mit leicht im Wind flatternden Objekten, aber das Material Wolle sollte es sein. Vielleicht werden es die ersten Filzfahnen überhaupt…

Rund um den Schriftzug „NEUE WOLLE“ dachten sich die Frauen erst einmal Motive aus, die mit unserem Projekt zu tun haben, Gegenstände wie Schere, Spindel, Webstuhl, aber auch visualisierte Erwartungen an die gemeinsame Arbeit ergaben ein spannendes Puzzle. Nach dieser Vorlage stichelten dann bis zu 10 Frauen gleichzeitig bunte Rohwolle in den Stoff. Das klang, als säße man auf einer Wiese ganz nah an grasenden Kühen, die mit großen Mäulern Gras rupfen. Pünktlich zum „Tag der Offenen Tür“ am 30.9. konnten zwei Fahnen gehisst werden und – o Wunder – sie flatterten tatsächlich und zwar so sehr, dass sich schon erste Fransen an den Rändern bildeten. Zwar ist es sicher interessant, die Metamorphosen in Wind und Wetter zuzulassen. Aber inzwischen waren uns die leuchtenden kuscheligen Decken doch sehr lieb und teuer geworden. Gemeinsam beschlossen die „Macherinnen“, die Originale wieder einzuholen und einzuscannen um daraus Fahnen drucken zu lassen. Die flauschigen Originale bleiben im Trockenen und werden ausgestellt:
In der Schaufensterausstellung in der Galerie „SuperMarcks“, Mühlenstr.  40, ab 27.4.2021

Video: Fahnen filzen

 

Neues Leben im Alten Rathaus!

Pünktlich zum Schuljahresbeginn startet das Textil-Atelier NEUE WOLLE am 27.8.20. Eine voll ausgestattete Werkstatt, ein gemütlicher Kinderraum, ein Büro und Gemeinschaftsräume sind in das Blumenthaler Traditionsgebäude eingezogen und bieten auch in Corona-Zeiten Platz für den nötigen Abstand.

Unter Anleitung von zwei jungen Künstlerinnen können bis zu 12 Frauen, besonders Alleinerziehende, Geflüchtete, Migrantinnen, regelmäßig zusammen arbeiten und sich in den Bereichen Mode, Accessoires, Design und Handwerk gestalterisch ausprobieren und experimentieren. Der Schwerpunkt der Werkstatt liegt auf dem vielseitigen Material Wolle und ihren Verarbeitungsmöglichkeiten. Für Kinderbetreuung ist gesorgt, so dass die Frauen sich auf die neuen Techniken und die kreative Arbeit einlassen können.

Den Frauen wird durch das bis zu zwei Jahre dauernde Projekt ermöglicht, nach eigenen Interessen und Fähigkeiten individuelle Entwürfe zu entwickeln und Kreationen in verschiedenen Gewerken herzustellen. Dabei wird auf strukturiertes und eigenständiges Arbeiten sowie Teamfähigkeit der Teilnehmerinnen hin gearbeitet – wichtige Voraussetzungen für den Einstieg in eine mögliche Berufstätigkeit.

Montags – Freitags: 9 – 13 Uhr
im Rathaus Blumenthal, Landrat-Christians-Straße 107
Die Teilnahme ist kostenlos.

Künstlerische Leitung:
Luisa Recker und Christina Weingärtner

Fotos: QUARTIER gGmbH


Dieser Artikel wurde von Karin Scharfenort veröffentlicht.
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