»Der Kern unserer Projekte ist, dass wir Menschen die Möglichkeit geben, ihre Umwelt zu gestalten.«


Bremen lässt Jugendliche hängen – Massive Proteste geplant /

Jetzt ist es amtlich: Das Jobcenter Bremen stellt – mit Zustimung des Arbeitsressorts beim Wirtschaftssenator – zum 26. März etwa die Hälfte aller Jugendhilfemaßnahmen in Bremen ein. Und auch die Maßnahmen, die derzeit weitergeführt werden, sind massiv gefährdet. Ihre Bewilligung gilt nämlich nur bis zum 30. September 2012. Für die Zeit ab Oktober gibt es noch keine Perspektive. Damit stehen nicht nur Jugendliche ohne Ausbildungsplatz auf der Straße, sondern auch die Mitarbeiter der Träger von Jugendhilfemaßnahmen. Die Logik dahinter: In Bremen gibt es mehr Ausbildungsplätze als tatsächlich besetzt werden. Also, warum sollten weiterhin Maßnahmen für arbeitslose Jugendliche bezahlt werden? Die Antwort: Weil nicht alle Jugendlichen gleich sind und tatsächlich einen Ausbildungsplatz finden. Einige benötigen erst eine Starthilfe, bevor sie sich auf dem Arbeitsmarkt zurechtfinden.

Ein Beispiel für so eine Starthilfe ist das Projekt „act“ in Findorff. Seit mehr als zehn Jahren werden in der Bayreuther Straße 14 in Findorff täglich kleine Wunder geschaffen. Jugendliche aus „schwierigen Verhältnissen“, mit „gebrochenen Biografien“ und „lückenhafter Erwerbshistorie“ – um einige Schlagworte zu zitieren – werden bei „act“ Schritt für Schritt an normale Arbeitsverhältnisse herangeführt und damit fit für die Zukunft gemacht. Doch damit soll nun Schluss sein. Die bis dahin erfolgreiche Maßnahme wird gestrichen, und wenn nicht kurzfristig ein großes Wunder geschieht, gehen am 30. Juni bei „act“ die Lichter aus.

2001 wurde „act“ von der Quartier gGmbH in Zusammenarbeit mit dem Arbeitsamt Bremen aus der Taufe gehoben. In den Räumen der Bayreuther Straße 14 entstanden Ateliers, Werkstätten, Bühnenräume. Die Idee: Jugendliche Arbeitslose sollen praxisnah an Bühnenberufe herangeführt werden und dadurch Arbeitserfahrungen sammeln. In den vergangenen Jahren entstanden so zahlreiche Bühnenstücke, anhand derer die Jugendlichen sich in Kostümschneiderei, Beleuchtung, Bühnentechnik und anderen Disziplinen üben konnten. Selbstverständlich standen die Jugendlichen bei den Produktionen auch selbst als Sänger, Tänzer oder Schauspieler auf der Bühne.

Und der Erfolg spricht für sich: Etwa 350 Jugendliche haben seit 2001 an dem Projekt teilgenommen. Sie haben neue Fertigkeiten erlernt und neue Fähigkeiten an sich entdeckt. Durch feste Aufgaben und regelmäßige Arbeitsabläufe wurden sie fit für den Arbeitsmarkt gemacht. Und spätestens durch den Applaus der zahlreichen Zuschauer haben sie Anerkennung und Lob für ihre Leistung erfahren.

Und nun: Nun werden diese Jugendlichen einfach auf die Straße gesetzt. Ohne gleichwertige Alternative werden diese Jugendlichen ab April in den Mühlen der Bürokratie aufgerieben. Die Zukunftsperspektive sieht düster aus.

Doch die Köpfe hinter „act“ geben nicht kampflos auf. Gemeinsam mit anderen betroffenen Institutionen wird Quartier massiv gegen die Streichung der Maßnahmen vorgehen. Öffentliche Aktionen und Proteste werden ab der kommenden Woche das Stadtbild von Bremen bestimmen. Das Ziel: Das Land Bremen soll Gelder zur Verfügung stellen, um Maßnahmen zur beruflichen Orientierung von Jugendlichen weiter zu fördern. Damit diese Jugendlichen eben nicht im Regen stehen gelassen werden und auch für die Zukunft eine Perspektive haben.

Das Projekt act wurde 2012 eingestellt. Hier ein Link auf die damalige act-Website

Die Vorlage zur Deputationssitzung vom 08.02.2012, aus der die Zahlen zur Ausbildungsplatzsituation in Bremen hervorgehen, finden Sie hier.


Dieser Artikel wurde von Karin Scharfenort veröffentlicht.
Kategorie(n): PROJEKTE | Tag(s): , , , , ,
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