»QUARTIER schafft neue Zugänge zu Kunst und Kultur«


1994 | Till Eulenspiegel /

Till Eulenspiegel – Ein Schelm im Stadtteil

Die vier ehrwürdigen Richter mit ihren weißen Großmasken verlieren zunehmend die Beherrschung. In ihrem Gerichtsaal – einer Bühne inmitten einer Großturnhalle – treibt ein alter Feind jeder Obrigkeit seine rauhen Späße. Von ihren hohen Richterkanzeln zwingt er die Respektspersonen hinab auf die Spielfläche, macht sie zu Mutter, Pfarrer, Ratsherrn – ja selbst als Till müssen sie agieren, um ein für alle Mal Schuld oder Unschuld des Narren festzustellen. Und immer wieder mischt sich allerhand Volk singend, tanzend oder jonglierend und Salto schlagend in die Szenen ein.
Am Ende muß der alte Schelm feststellen, daß er mit den modernen Narreteien nicht mehr Schritt halten kann. Aber da hat er bereits die Herzen der vielen Zuschauer aus dem Stadtteil und von umzu gewonnen. Die Atmosphäre der großen düsteren Halle mit den schaffottartig aufragenden Richterpodesten und die zwischen lieblichem Chorgesang und drohenden Rockstakkatos wechselnde Musik schlagen selbst routinierte Fern-seher in ihren Bann.
Begonnen hatte die Reise des Schelms durch drei Bremer Stadtteile in Pusdorf. Ein Team von QUARTIER stellte auf Einladung des ansässigen Kulturladens die Konzeption und die möglichen Beteiligungsformen den lokalen Musik-, Tanz-, Theater- und Sportgruppen vor. Nach der Erarbeitung eines Kernstücks als rotem Faden folgten die Besuche des Teams bei den mitwirkenden Gruppen. So entstanden im Laufe eines halben Jahres die Can-Can Auftritte der Tanzgruppe, die Sprungchoreographie der Turner, die Game-Showeinlage der Theaterleute und die vielen Musikbeiträge der Chöre und Instrumentalgruppen.

Projektzeitraum: 3 bis 6 Monate
Aufführungen 1994: Pusdorf, Weserwiesen, Turnhalle der Gesamtschule West; Turnhalle des SZ Obervieland
Beteiligte KünstlerInnen: Majanne Behrens, Regina Fabian, Peter Friemer, Get A Grip, Holger Hering, Lainie Ingham, Uschi Nickel−Funck, Marcel Pouplier, Trude Redeker, Ralf Schucht
Projektleitung: Marcel Pouplier
Regie: Ivan Pokorny

 
 
 


Dieser Artikel wurde von reiner_w veröffentlicht.
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